search instagram arrow-down
Follow Oonas Welt on WordPress.com

Aktuelle Beiträge

Kategorien

Achiv

Am meisten gelesen

Blogstatistik

Abonnierte Blogs

Mein Leben befindet sich momentan in einem großen Umwälzungsprozess. Es gibt kaum einen Bereich, in dem nicht etwas von innen nach außen gekehrt wird.

So ist z.B. wegen des bevorstehenden Umzugs nach Bayern der Inhalt meiner Schränke und Schubladen in der gesamten Wohnung verteilt, um nach „das kommt mit“ und „das kommt weg“ sortiert zu werden. Ich bin sehr erstaunt, was da alles zum Vorschein kommt. Dinge, an die ich jahrelang nicht mehr gedacht habe. Verstaut in irgendwelchen Schubladen oder Kisten. Nicht sichtbar und doch da. Genauso wie die alten Glaubenssätze, die mir jetzt in geballter Ladung vor die Füße fallen. Ähnlich wie bei einem Schrank, in den man einfach immer mehr Sachen hineingestopft hat. Tür auf, Sachen rein, Tür zu. Sobald man dann die Türen wieder öffnet, fallen alle Sachen heraus und verteilen sich ungeordnet im Raum.

Mein Vorhaben, in Bayern neu anzufangen, kommt genau einem solchen Türen öffnen gleich. Ich bin aufgefordert, mich zu zeigen. Persönlich und in Farbe. Mit meinen Fähigkeiten, meinen Wünschen und Bedürfnissen und auch mit meinen Ängsten und Schwächen. Die Herausforderungen und auch die unterschiedlichen Reaktionen aus meinem Umfeld treiben verdrängte Ängste an die Oberfläche. Die Schranktüren springen auf, reißen mir den Boden unter Füßen weg und lassen mich regelmäßig zwischen den heraus gepurzelten Erinnerungen und Emotionen versinken. An manchen Tagen fühle ich mich wie eine Ertrinkende im Meer aus Tränen und Schmerzen.

Die Angst, nicht gut genug zu sein, nicht willkommen oder gewollt zu sein, alles falsch zu machen, falsche Entscheidungen zu treffen, nicht anpassungsfähig und flexibel genug zu sein, nährt Zweifel an der Realisierbarkeit meines Wunsches nach einem Neuanfang. In mir melden sich Stimmen, die meinen, dass ich mich überschätze und am Ende alles verlieren werde. Wieder einmal groß getönt und dann versagt.

Nehme ich mir zu viel vor und schaffe es am Ende nicht? Sollte ich lieber doch auf die Meinungen der Menschen in meinem Umfeld hören und die Herausforderungen in kleinere Häppchen aufteilen?

Wozu diese Ausbildung? Sie kostet nur sehr viel Geld. Dafür gibst du alles auf? Wozu dieser ganze Aufwand mit Umzug etc.? Veränderungen kannst du auch vor Ort bewirken und für deine persönliche Entwicklung im spirituellen Sinne reicht es auch, wenn du dich jeden Tag für das Leben öffnest, dich hineingibst in die Welt und dabei Erfahrungen sammelst. Dafür brauchst du keine Ausbildung und musst auch nicht umziehen.“

Immer wieder begegnen mir solche Meinungen im Außen. Und nähren damit die Zweifel, ob meine Entscheidung für diesen großen Schritt überhaupt richtig war. Dahinter steht die Angst, zu versagen und alleine dazustehen – beschämt und verloren.

Es ist eine Angst, die ich schon seit Kindertagen in mir trage. Diese Angst ist nun mit voller Wucht in mein Leben zurückgekehrt, hat sich einen Weg an die Oberfläche gebahnt, untergräbt meine Pläne und blockiert meine Energie, die ich für den Umzug benötige.

Auslöser für diese geballte Ladung Angst waren Worte, die mir im Rahmen eines Online-Trainings begegneten.

Ich bin ein Fehler …“

Einzig und allein diese Worte haben die Tür zu dem Schrank geöffnet, in dem ich all meine Ängste vor Versagen und Ablehnung gesammelt und verstaut hatte. Eine Lawine aus schmerzhaften Erinnerungen rollte über mich hinweg und riss mich mitten hinein in die Dunkelheit.

Sehr oft in meinem Leben fühlte ich mich fehlerhaft und falsch. Immer wieder hörte ich von anderen, was ich alles falsch machte und dass ich Schuld daran war, wenn es jemand anderem schlecht ging. Ich versuchte, mich nach den Wünschen der anderen zu richten und diese zu erfüllen. Ich passte mich an und kreierte eine Vielzahl an Masken, um es jedem Recht zu machen. Aber egal, was ich tat, es gelang mir nicht. Was ich dachte, sagte und fühlte, unterschied sich ständig von dem, was andere von mir erwarteten. Alles war falsch. All meine Versuche waren nur eine Aneinanderreihung von Fehlschlägen. Ich verinnerlichte dieses Nicht-ok-Sein so sehr, dass ich später sogar Ausbildungen, in denen ich gute Leistungen brachte, abbrach. Nein, Erfolg durfte nicht sein. Es durfte nicht sein, dass ich etwas richtig machte. Völlig ausgeschlossen, denn ich war doch in meinem ganzen Sein fehlerhaft und ein Versager und diesem Bild hatte ich bitteschön weiterhin zu entsprechen. Nur damit ich vielleicht irgendwann die Anerkennung und Liebe der Menschen bekam, die ich als Tochter bzw. Enkeltochter stolz und glücklich machen wollte. „Schaut her, ich bin jetzt genau so, wie ihr mich haben wollt. Ich bin ein erfolgreicher Versager.“

Das Paradoxe daran: Ich bin in einer sehr leistungs- und erfolgsorientierten Familie aufgewachsen. Ein Versager ist da eher ein lästiger Makel und genauso fühlte ich mich auch. Ich war der Fleck auf der weißen Weste! Jahrelang und bin es für einige heute immer noch.

Und nun kam dieser eine Satz. „Ich bin ein Fehler – und ich liebe es.“ Diese Worte sollte ich laut zu mir selbst sprechen. Das, was mich jahrelang zutiefst verletzt hatte, sollte ich erneut zu mir selbst sagen! Und als wenn das nicht schon schlimm genug wäre, sollte noch ein „und ich liebe es“ darauf folgen. „Ich bin ein Fehler – und ich liebe es.“ Wie könnte ich das lieben, was mich fast in den Tod getrieben hatte?

Viele Jahre lang habe ich daran gearbeitet, mich nicht mehr als Schandfleck, Makel oder Fehler zu betrachten. Ich habe mich aus der Familie zurückgezogen, um nicht länger den Frieden zu stören und Schande über sie zu bringen und auch um mich selbst zu schützen. Damit bin ich aber nur weiterem Schmerz ausgewichen. Der Schmutz klebte weiterhin wie Teer an mir. Ich fühlte mich schmutzig bis auf die Zell-Ebene hinab. Nichts konnte mich von diesem Schmutz reinigen. Also habe ich den Schmerz darüber ganz hinten in einem Schrank verstaut, die Tür zu gemacht und angefangen, Schritt für Schritt meinen Selbstwert wieder aufzubauen.

Eigentlich fand ich mich in diesem Punkt inzwischen recht stabil und betrachtete mich in weiten Teilen als wertvollen und geliebten Menschen. Ja – bis dieser eine Satz meine „heile“ Welt kreuzte! Mit einem Schlag war alles Vergangene wieder da. All die Verletzungen, die Ängste, das Abgelehnt sein, die Schuldgefühle und die Einsamkeit. Und passend dazu erlebte ich auch gleich entsprechende Situationen in meinem Umfeld.

Waren alle Bemühungen zum Aufbau meines Selbstwertes nur Pflaster und Make-up über den alten Wunden? War meine „heile“ Welt nur eine Maskerade? Hatten die anderen Recht, als sie sagten, ich sei ein Fehler? Bin ich wirklich ein Zerstörer, Ruhestörer, Versager und Schandfleck? Die Antwort ist erschütternd, denn …

Ja, das bin ich. Alle diese Teile trage ich in mir. Damit bin ich allerdings nicht allein. Jeder trägt alles in sich. Jeder ist zugleich Zerstörer und Schöpfer, Ruhestörer und Friedensstifter, Versager und Erfolgsmensch. Alles besteht nebeneinander: Geburt und Tod, Liebe und Angst, Licht und Schatten.

Anzuerkennen, dass ich all diese negativen Eigenschaften in mir trage, fällt mir schwer. Ich hatte sie an einen dunklen Ort verbannt und wollte nie wieder etwas mit ihnen zu tun haben. Nun sind sie wieder da. In ihrer vollen Größe und Stärke. Es tut weh, sie als einen Teil von mir anzunehmen. Die schmerzhaften Kindheitserinnerungen zerreißen mir fast das Herz. Ich bin aufgefordert, meine Abwehr und meinen Stolz loszulassen und zuzugeben, dass ich tatsächlich Fehler gemacht und anderen Schmerzen zugefügt habe; dass ich nicht nur Opfer sondern auch Täter war und für jede meiner Handlungen verantwortlich bin; dass ich niemanden für meine Vergangenheit schuldig sprechen kann und dass ich durch meine Anschuldigungen mir selbst am meisten geschadet habe.

All die Jahre habe ich mich selbst getäuscht, indem ich mich ausschließlich auf der „Ich bin gut“-Seite gesehen habe und die anderen auf der „Du bist schlecht“-Seite. Diese zwei Seiten gibt es aber gar nicht. Niemand ist gut oder schlecht. Jeder ist alles. Da gibt es gar keine Trennung.

Das Schöne an dieser Erkenntnis ist, dass ich auf einmal hinter all den als negativ eingestuften Eigenschaften auch das Positive sehe.

Jede Zerstörung gibt Raum für das Entstehen von Neuem. Jede Störung bringt Bewegung in bestehende Systeme und ermöglicht Veränderungen. Jedes Versagen ist ein Zeichen dafür, dass der gewählte Weg in dieser Form nicht zum Ziel führt. Versuch und Irrtum. Wir lernen aus unseren Fehlern. Manchmal schneller und manchmal braucht es mehrere Wiederholungen. Und das Gefühl von Scham und Schande zeigt uns auf, welche Verletzungen wir in uns noch nicht geheilt haben und vor anderen Menschen verbergen wollen.

Alles dient der Entwicklung – der eigenen und auch der der anderen. Es gibt keine Fehler im negativen Sinne.

Von dieser Ebene betrachtet, bin ich gerne ein Fehler. Ja, ich liebe es sogar, ein Fehler zu sein.

Ich liebe es, zu sein –

mit all meinen Fehlern, Ängsten und Schwächen und mit all meinen Stärken, meiner Zuversicht und der Hoffnung, dass ich dieses Sein auch im realen Leben immer mehr leben werde.

***


Bildquelle: Pixabay, Candiix (https://pixabay.com/de/dunkelheit-reflexion-horizont-3072478/)

Kommentar verfassen
Your email address will not be published. Required fields are marked *

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.

Britta Banowski Autorin und Naturheilkundlerin

eine Frau, die mehr kann als nur schreiben und singen

Neues aus Absurdistan

Ist es möglich, sehenden Auges die Absurditäten unserer Zeit wahrzunehmen, ohne daß einem der Mund überfließt?

lebendig werden ...

nach schweren Gewalterfahrungen als Kind

Die Farbe Bunt

Ein Viele(Farben)Leben

Discover

A daily selection of the best content published on WordPress, collected for you by humans who love to read.

Longreads

The best longform stories on the web

The WordPress.com Blog

The latest news on WordPress.com and the WordPress community.

%d Bloggern gefällt das: